Oscars, Gravity, American Hustle und Kino im Allgemeinen

In der vergangenen Sonntag Nacht liefen wieder die Oscars, bei denen sich die Stars ihr berühmtes Stelldichein gaben. Erstmals war es auch mir möglich diese Veranstaltung live im TV mitzuverfolgen. Das wichtigste was mir dabei auffiel war das ich zu wenige Filme schaue. Nun kann das daran liegen, dass man als Student nicht so große Sprünge machen kann wenn ein Kino Besuch mit durchschnittlich 15€ zu Buche schlägt (man möchte ja wenigstens etwas trinken). Oder auch daran das einige Filme gar nicht erst im nächsten Kino laufen. Nun verfolgte ich gespannt die Veranstaltung die von der überaus sympatischen und humoristisch veranlagten Ellen DeGeneres moderiert wurde. Dabei galten vor allem die beiden Filme Gravity und American Hustle als Favoriten mit jeweils 10 Nominierungen. Im Nachhinein kann man wohl festhalten das Gravity durchaus als Gewinner (7 Oscars) des Abends bezeichnet werden kann wohingegen American Hustle als großer Verlierer (0 Oscars) zu vermelden ist. Nun schaute ich direkt ob es sich ermöglichen ließe all diese vermeintlich tollen Filme noch zu sehen um sich selbst eine Meinung bilden zu können. Erstaunt stellte ich fest das Gravity der eigentlich schon nicht mehr im Kino laufen sollte doch noch für diverse 17:30 Uhr Vorstellungen im UCI meines Vertrauens lief. Also wurde sogleich die Entscheidung gefällt eben jenen Film der sehr oft gelobt wurde und häufig in Verbindung mit Sätzen à la „Dafür wurde Kino gemacht“, „Selten habe ich so eine gute Umsetzung von 3D gesehen“, „Genau solche Filme wünsche ich mir für das Kino“ genannt wird noch zu schauen. So saß ich dann im Kinosaal ziemlich verlassen mit 4 anderen Menschen und schaute mir den mit 91 Minuten doch recht kurzen Film gespannt an. Bei der Zahl an Zuschauern verstehe ich auch durchaus wieso ich für die Vorstellung gut 11€ gezahlt habe.

Gravity

Nach einer ziemlich enttäuschenden Ladung an Trailern (bei der nur Spiderman 2 interessant war) sah ich dann endlich den gelobten Film. Ich muss direkt feststellen das der Oscar für die „Beste Kamera“ überaus verdient verliehen wurde. Alleine die Tatsache, dass die erste Sequenz mit einer Länge von ~15 Minuten durchgängig in einem Take gedreht wurde ist fantastisch. Diese Art den Film einzuleiten ist so banal und doch genial, weil die häufigen Schnitte und Einstellungsänderungen bei Blockbustern schon Alltag geworden sind. Es gibt in dieser Sequenz eine Einstellung, bei der die Kamera zunächst auf den Anzug von Frau Bullock zufliegt, um dann durch das Visier in den Helm selbst einzutauchen. Es ist fantastisch wie sich alleine in dieser Szene der Ton verändert. Im weiteren Verlauf des Filmes wurde ich dann doch so durch die Handlung gepackt, dass der tatsächliche Realismus des Weltraum Settings eher in den Hintergrund geriet. Nur eine einzelne Szene ließ mich doch stutzen. So hängt Frau Bullock mit ihrem Kameraden ein einem Seil an der ISS und es hat den Anschein das eben jener Kamerad immer weiter weggezogen würde. Überdenkt man diese Situation aber noch einmal wird einem schnell bewusst das ein einziger Ruck von Ihr schon dazu führen würde das jener Kamerad sich wieder auf die ISS zubewegt. Schließlich hat er in dem Moment in dem Sie ihn packt schon sein physikalisches Moment verloren und beide befinden sich in einem stationären Zustand zu jener ISS. Nun ist diese Szene aber dem Spannungsbogen geschuldet und kann somit unter „Künstlerischer Freiheit“ ausgelegt werden. Überwiegend war ich in der Erzählstruktur der Geschichte doch sehr gefangen und die schiere Kraft der Bilder ließ mich nicht los. Dies kann durchaus von der Tatsache herrühren das ich eine große Faszination für den Weltraum an sich und somit auch für den Blick auf die Erde von „außen“ empfinde. Dies stellt quasi auch einen Traum dar den ich schon lange in mir trage. Einfach die Erde von außen sehen und den „Overview-Effekt“ erleben. Sehen das die Erde keine Grenzen kennt, dass sie einfach das große Ganze ist. Aber ich schweife ab. Eine Sache die der Film nie tut. Mit seiner Laufzeit von knapp 1,5h ist er knackig kurz und das ist auch gut so. Die Geschichte wird schnell und flüssig erzählt so das die Zeit wie im Flug vergeht. Betrachte ich Gravity nüchtern, ist es durchaus ein Film der für mich nicht alle Oscars verdient hat die er bekam. Zurecht blieb auch der Oscar für die beste Hauptdarstellerin aus, da ich die Leistung von Frau Bullock nicht als exzellent bezeichnen würde. Dafür hat sie mir ihre Rolle nicht überzeugend genug verkauft. Die Oscars für Kamera und Visuelle Effekte sind über jeden Zweifel erhaben. Allerdings kann ich besonders den Oscar für „Beste Filmmusik“ nicht bedenkenlos abnicken. Dies kommt vor allem durch zwei Gründe. Ich habe 1. keinen Song bewusst wahrgenommen so das er mir im Gedächtnis blieb und 2. am gestrigen Mittwoch American Hustle gesehen. Dort blieb mir direkt ein Song im Ohr der mir jetzt noch immer im Kopf hängt.

A Horse with no Name

Gravity: 9/10

American Hustle

Nun wollte ich nach Gravity nicht aufhören Filme aus der Oscar Nominierung nachzuholen, also bestellte ich direkt am nächsten Tag eine Karte für American Hustle. Und wieder kann ich direkt vorwegnehmen das ich es nicht bereue. Zwar legte ich erneut mit einem Getränk 15€ auf den Tisch, aber nun gut. Im Saal angekommen stellte ich zunächst erfreut fest das der Saal diesmal doch besser gefüllt war als in Gravity. Erneut folgte eine relativ ernüchternde Trailer Sammlung von der wieder nur Spiderman 2 und zu meiner Überraschung auch der Film Labor Day (Trailer – ja, die Ghost Szene ist kitschig) überzeugend aussahen und Lust auf mehr machten. American Hustle selbst ist eine wunderbar verzwickte und komplex erzählte Geschichte. Auf einer Inception Skala die bei Inception eine 10 hat wäre es zwar sicher nur eine 6 aber das ist meiner Meinung nach schon mehr als die meisten Filme bieten. Ich stehe ja auf verzweigte Handlungen die nicht so einfach zu durchschauen sind. Nun ist die Hauptrolle mit einem durchaus als dick zu bezeichnenden Christian Bale meiner Meinung nach sehr gut besetzt. Er wirkt für mich nie deplatziert und kleine Details wie seine Angewohnheit die Brille mit dem Finger wieder nach oben zu rücken lassen die Rolle sehr echt wirken. Ebenso ist die weibliche Hauptrolle mit einer bezaubernden Amy Adams besetzt. Das Setting ende der 70er Jahre steht ihr ausgezeichnet. Generell ist zu erwähnen das die Schauspielerische Leistung in diesem Film auf ganz hohem Niveau ist. Ein Bradley Cooper macht hier eine genau so gute Arbeit wie eine Jennifer Lawrence. Doch gerade Amy Adams hätte ich den Oscar „Beste Hauptdarstellerin“ wirklich gegönnt. Das ein Christian Bale das äquivalent zum Hauptdarsteller nicht bekommt, war bei der extrem starken Konkurrenz durch 12 Years a Slave und Dallas Buyers Club abzusehen. Der Film hat sich für mich nie gezogen oder langweilig angefühlt und blieb dauerhaft über seine 138 Minuten fesselnd. Und das vor allem und trotz der praktisch nicht vorhanden Action. Die Geschichte könnte fast schon einem Theaterstück gleich kommen da sie von den wenigen, dafür umso fesselnderen Charakteren lebt. Ich habe Gefallen an diesen handgemachten guten klassischen Filmen gefunden die von ihren Geschichten und Bildern leben. Deshalb finde ich es auch schade das er nicht einen Oscar bekommen hat. Ich finde es wäre durchaus verdient gewesen diesem tollen Film einen zu verleihen.

American Hustle: 9,5/10

Natürlich ist dies alles mit Vorsicht zu genießen, da ich einen großen Teil der restlichen Filme noch nicht gesehen habe. Gerade Dallas Buyers Club, 12 Years a Slave und Her würde ich gerne bald möglichst nachholen. Allerdings wird dies schwierig, da die Blu-Ray für Dallas Buyers Club erst im September und die für 12 Years erst im Mai erscheinen. Einzig bei Her besteht die Chance das ich ihn Ende März, wenn er in Deutschland anläuft, eventuell sehen kann. Doch das wird wohl vom Kino abhängen. Das UCI zumindest hat noch den Status „Unklar“ für Her. Im schlimmsten Fall muss ich eben noch weiter fahren um einen einzelnen Film zu sehen.

Bleibt festzuhalten das die Liste für die zu schauenden Filme nur unwesentlich kürzer geworden ist. Es bleiben:

Allein die Länge der Liste zeigt schon aus was noch ansteht. Ich danke für das lesen bis hier hin und würde mich über eure Meinungen in den Kommentaren freuen.