God Bless America

I mean, why have a civilization anymore if we no longer are interested in being civilized?

Dieses Zitat trifft den Punkt des Filmes auf den ich mit diesem Beitrag eingehen möchte sehr gut. „God Bless America“ ist ein Film ohne Scham und Grenzen. Ein Film der einen Spiegel erhebt und den Zuschauer mit der Wahrheit konfrontiert. Trotz dessen glaube ich das der Film damit nicht die Zielgruppe findet für die eben dieser Spiegel nötig wäre.

„God Bless America“ beginnt mit Frank. Frank ist ein Durchschnittstyp mit einem durchschnittlichen Job, einer durchschnittlichen Wohnung und einem durchschnittlichen Auto. Von der ersten Minute merkt der Zuschauer das Frank zu mehr bestimmt ist. Er ist ein reflektierter Mann der Wert auf Umgangsformen, Anstand, Respekt, Würde und Toleranz legt. Werte die in den meisten westlichen Gesellschaften immer mehr in Vergessenheit geraten. Werte die von der neuen Generation nicht geschätzt werden weil Klicks mehr zählen als Worte, weil Schlagzeilen besser ankommen als Fakten, weil das Werfen eines frisch Entfernten Tampons mehr Leute vor den Fernseher zieht als hochwertig aufbereitete Informationen. Und mit dieser Gesellschaft hat Frank ein Problem. Ich werde bewusst nicht weiter auf die Wendungen der Geschichte eingehen, kann aber verraten das Frank zusammen mit der jungen Roxy, in der er eine Gleichgesinnte findet, auf einem blutigen Trip durch die Vereinigten Staaten eine Botschaft hinterlässt. Eine Botschaft die von der skizzierten Gesellschaft die vom Ausbeuten von Personen zehrt wohl nicht verstanden werden wird. 

„God Bless America“ ist kein Film für einen lauen Nachmittag. Dieser Film will erreichen das man über den Inhalt und die Idee des Gezeigten nachdenkt. Dabei wird dem geneigten Betrachter sicher bewusst das diese Gesellschaft eben nicht nur in den Staaten existiert. Auch in einer deutlich Amerikanisch ausgerichteten Gesellschaft wie der Deutschen macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Wie sonst ist zu erklären das Sendungen wie „X-Diarys“, „Schwer verliebt“, „Familien im Brennpunkt“ oder auch „Bauer sucht Frau“ volle Erfolge sind? Die gemeine Zuschauerschaft fordert Sendungen in denen Menschen dargestellt werden denen es schlecht geht und die am besten am Boden sind. Alles mit dem Zweck das sich der Betrachter besser fühlt. Das man das Gefühl bekommt, das eigene Leben ist ja doch ganz gut. Als wäre es nicht möglich dies selbst zu erkennen. Diese Gesellschaft braucht ständig Bestätigungen die aufzeigen, dass alles doch gar nicht so schlimm ist. Vielleicht bildet das ja auch den Konter zu der stetigen Flut schlechter Nachrichten. Autounfall hier, Bombenanschlag dort, Flutwelle in Bangladesch und generell steht das nächste Krisengebiet auf der Kippe. Unter all diesen vermeintlichen Weltuntergängen suchen die Menschen nach Halt, nach einem Strohhalm der aufzeigt wie klein doch die eigenen Probleme sind. Genau an diesem Punkt geht die Entwicklung in die falsche Richtung. Es muss aufhören als Kollektiv über Menschen zu lachen die offensichtlich ausgenutzt werden. Es muss aufhören Nachrichten zu schauen in denen aus einem winzigen Ereignis über das fast nichts bekannt ist auf Gedeih und Verderb eine Sondersendung gezimmert wird. Es sollte sich besonnen werden auf die Dinge die wichtig sind und die zur Reflektion von Aussagen und Meinungen beitragen. Eine Eigenschaft die immer seltener wird. Es wird zu wenig nachgedacht. Hier bietet sich ein kleiner Selbsttest an. Wann wurde das letzte mal durchgehend über einen langen Zeitraum über eine Sache nachgedacht? Es ist selten das man heutzutage über Probleme einmal eine Stunde durchgängig grübelt ohne abzuschweifen. Die Gesellschaft hat die Fähigkeit zu fokussieren und zu philosophieren verloren.

Das ist eine Entwicklung die zu bedauern ist.

Fazit:

  • Qualität der Blu-Ray ist Top
  • Soundtrack ist Spitze
  • Handlung fesselt bis zum Schluss
  • Szenen sind durchaus explizit
  • Film regt zum Nachdenken an

God Bless America: 9/10

Video ist quasi kein Spoiler da die Szene sehr zu Beginn des Films läuft.

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=52EnTtGstKg&w=420&h=315]

Der Pavillon im Regen

Gestern Abend habe ich mir den aktuellen Film von Makoto Shinkai angesehen. Seit ich den Film „5 Centimeters Per Second“ von ihm sah bin ich begeistert gewesen. In diesem Film wird die Stimmung so Intensiv das ich noch lange nach ende des Filmes über diesen nachdachte. Das Erlebnis wird umso intensiver da der Film mit seinen 60 Minuten sehr kurz ist und eigentlich nicht wirklich viel passiert. Doch diese ständige Stimmung des ungesagten ist so bedrückend und spürbar das sie mir den Atem raubte. Es sind Gedanken die jeder kennt, die jeder versteht. Es geht um das ungesagt und um die Enttäuschungen die einem das Leben entgegen schleudert. Und um das Wachsen, das Lernen das auf diese Enttäuschungen folgt. Das Überwinden und zu neuer Größe kommen. All dies macht den Film für mich so besonders.

Daraufhin hatte ich Shinkai im Auge. So sah ich als nächstes „Children who chase lost voices“. Ein Film der noch dramatischere Problematiken des Lebens aufgreift. Es geht um Verlust und Trauer. Um den tiefen Schmerz der einen nicht los lassen lässt. Ein so großes Verlangen die bessere Zeit zurück zu bringen das man sich selbst verliert. Ein nicht weniger beeindruckender Film. Doch trotz dessen hat er mir nicht so sehr gefallen wie 5cm. Shinkai probiert sich hier an einer schnelleren und actionreicheren Erzählweise. Dies fiel für mich negativ auf da ich die ruhige Atmosphäre von 5cm deutlich drückender empfand.

Mit der Erinnerung an beide Filme im Gedächtnis schaute ich gestern dann „The Garden of Words“. Ohne große Umschweife kann ich nur sagen wie begeistert ich bin. Dieser Film wirkt eher wie ein Kurzfilm. Mit einer Dauer von 46 Minuten ist er erstaunlich kurz und komprimiert. Erneut sind es Themen die jeden betreffen. Erwachsen werden und lernen, Ziele und Träume verfolgen und mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig werden. Kurz zum Plot:

Hauptperson ist der Oberschüler Takao der davon träumt Schuhmacher zu werden. Immer wenn es regnet schwänzt er die erste Stunde und begibt sich in den nahe gelegenen Park um Skizzen von Schuhen anzufertigen. Dabei trifft er auf Frau Yukino. Im verlauf des Filmes treffen die beiden sich dort immer wieder und eine Verbindung entsteht.

Die Handlung wird wieder in der ruhigen Erzählweise vermittelt wobei fast durchgängig im Hintergrund das leise Rauschen des Regens zu vernehmen ist. Besonders hervorzuheben ist auch erneut die Qualität der Zeichnungen. Ich bin immer wieder erstaunt wie detailliert die Schauplätze in Anime aussehen können. Der Stil ist über jeden Zweifel erhaben. Für Shinkai Fans ist The Garden of Words somit unbedingt zu empfehlen. Auch für „Neueinsteiger“ kann ich eine bedenkenlose Empfehlung aussprechen. Dieser Film zeigt erneut das Anime kein Genre für Kinder ist und durchaus anspruchsvoll sein kann.

The Garden of Words: 9,5/10